Die seltsame Verkäuferin

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Als ich letzte Woche in den Buchladen ging, mein liebster, der mit den bequemen Sofas und dem schönen Teppich mit den Fransen und der antiken Wandverkleidung, wollte ich fragen: „Haben Sie dieses Buch, das eine?“ Die Worte hatte ich mir gut zu recht gelegt. Die Frau am Tresen hatte aber kein frohes Gesicht, sie sah aus, grad als ob sie ihr Leben lang mit allem nicht einverstanden gewesen wäre. Ich erzählte vom Buch, dem einen und sie notierte sich alles auf dem Notizblock. Da sah ich ihre Brosche, da sah ich das Gemälde von Charlie Chaplin an der Wand, da sah ich ihren Computer aus 1997 und rufte: „Nein! Ich möchte ein anderes, ein Buch über etwas ganz Kleines, zum Beispiel über kleine Insekten, die ganz kleinen, die da, so richtig nicht schön. Dann könnte ich in den Wald gehen und nach Wasserläufern und wurmartigen Schwanzflossenwedlern suchen und so würde ich dann nach stundenlangem suchen endlich unter einem Stein ein Tierchen finden, dass da gar nicht in den Buch. Ich würde ein Diplom kriegen, ein richtig schönes Diplom für meinen einmaligen Fund der an 13. Stelle meinen Namen tragen würde. Das Diplom hänge ich mir an die Wand und wenn Besuch kommt sage ich dann ‚Danke für den Besuch, schaut so wohne ich und das ist mein Diplom.‘ Und alle würden fragen: ‚Was, hm, du hast ein Diplom?‘ Dann käme da einmal ein Arzt, meine beste Freundin kennt einen Arzt, der hat auch ein Diplom, ein Arztdiplom und wir würden dann Freunde werden und er würde mich auf seine Partys einladen, und ich würde ihm sagen, ich mache selber keine Party und an seinen Partys würde er mir den Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vorstellen, er kennt den persönlich, er ist Arzt, er ist wichtig. Ich würde dann dem Präsidenten etwas vorstottern und stottern und er würde Beifall klatschen und alle würden Beifall klatschen und alle meinen ich sei jetzt auch wichtig, man habe ja schliesslich geklatscht. Und der Präsident würde dann übergangen und ich dürfte sein Amt dann so etwas machen. Ich würde mich mit den Präsidenten der Welt anfreunden und überall Silos hinbauen lassen und die Schafe abgekochte Kartoffelschale aus den Silos fressen lassen, denn so abgekochtekartoffelschalengefüllte Schafe wären ganz bestimmt lecker, das wäre der neue Hit und ich wäre dann so bekannt, und die Antifleischkrieger aus Vegetarianien würden mich bekämpfen und damit die Werbung machen und ich hätte die Weltherrschaft und würde Kontinente zusammenlegen, unterteilen, ausrangieren, wenn sie Lust hätten, kämen sie doch auch vorbei! Wir könnten dann zusammen einen unheimlichen Radau veranstalten und wenn mir dann alles gehört, könnte ich dann endlich beim Falkner eine Eule besorgen und müsste nicht einmal dafür bezahlen.“ Die Verkäuferin ließ sich auf ihr besticktes Kissen nieder, hat die Kopfhörer aufgesetzt und ich gehe brummend raus: „Stevie Wonder ist keine Lösung. Stevie Wonder ist keine Lösung.“

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